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Verleihung des VP Bank Best Paper Award

Lesedauer: 6 Min
Das Institut für Finance der Universität Liechtenstein veranstaltete am 14. Mai 2019 bereits zum dritten Mal einen Workshop zum Thema «Sustainable Finance», wobei internationale Forscher ihre Abhandlungen zum Thema einer nachhaltigen Finanzwirtschaft einreichen und präsentieren konnten.

Zusammen mit Vertretern der VP Bank wurden gestern die Erkenntnisse der besten sechs eingereichten Papers vorgestellt und anschliessend diskutiert.

Das beste Paper wurde mit dem «VP Bank Best Paper Award» ausgezeichnet. Der Preis ging an die Arbeit mit dem Titel «A risk management perspective on CSR and the marginal cost of debt – empirical evidence from Europe», die von Othar Kordsachia (Universität Lüneburg) verfasst wurde.

Verleihung des VP Bank Best Paper Award
Die VP Bank fördert die Nachhaltigkeit – Prof. Marco J. Menichetti von der Universität Liechtenstein, Preisträger Othar Kordsachia und Bernd Hartmann, Chefstratege der VP Bank (v.l.) bei der Preisübergabe. | Bild: Universität Liechtenstein / Paul Trummer

Die Arbeit untersucht, wie der europäische Anleihenmarkt Nachhaltigkeit honoriert. Dabei handelt es sich um einen im Gegensatz zu Aktien noch weniger erforschten Bereich. Der Autor konnte aufzeigen, dass Unternehmen mit einem stärkeren Nachhaltigkeitsfokus geringere Finanzierungskosten tragen. Somit bestehen Anreize, die eigene Nachhaltigkeit zu verbessern. Dies gilt primär für finanziell angeschlagene Schuldner, wie die Arbeit nachweisen konnte. Die VP Bank gratuliert dem Autor herzlich zu dieser Auszeichnung.

Interview mit Othar Kordsachia

Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften

Institut für Finanz- und Rechnungswesen, Professur Accounting & Auditing

Leuphana Universität Lüneburg (Deutschland)

 

Preisträger des VP Bank Best Paper Award, der im Rahmen des 3. Workshops «Sustainable Finance» der Universität Liechtenstein im Mai 2019 vergeben wurde.

 

Othar Kordsachia geht in seiner Arbeit der Frage nach, ob sich ein Unternehmen mit hoher Nachhaltigkeitsbewertung günstiger zusätzliches Fremdkapital beschaffen kann. Der Autor wertete Daten von rund 800 europäischen Unternehmen aus, die in der Corporate-and-Social-Responsability-Rating-Datenbank von Thomson Reuters (ASSET4) enthalten sind und zudem teilweise in dem Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability enthalten sind. Damit geht es um die Auswirkung von den für Anleger immer wichtigeren ESG-Kriterien, bei denen das Umwelt-, das Sozial- und das Führungsverhalten eines Unternehmens bewertet wird.

 

Herr Kordsachia, Gratulation zu diesem Preis. Sie kommen zum Schluss, dass die zusätzliche Geldaufnahme für nachhaltige Unternehmen günstiger kommt. Um wieviel?

Ich habe differenziert zwischen Fremdkapital als Ganzes und langfristigen Schulden. Der Effekt beträgt 40 Basispunkte respektive 50 Basispunkte für einen langfristigen Kredit.

 

Wie haben Sie Kreditkosten verschiedener Unternehmen verglichen?

Bei mir geht es um implizite Kreditkosten basierend auf verschiedenen Kriterien, die zeigen, wie gut es dem Unternehmen geht. Ich habe auch Analystenschätzungen einbezogen sowie vom Unternehmen selbst publizierte Texte wie etwa Jahresberichte ausgewertet, in denen es einen Bezug zu Kurs und Risiko gibt.

 

Bedeutet Ihre Auswertung, dass Unternehmen mit gutem Nachhaltigkeitsrating ein gesünderes Geschäftsmodell haben?

Also - in der Forschung gibt es diese Meinung, dass dies wie eine Versicherungspolice wirkt. Und wenn es dem Unternehmen einmal nicht gut geht, kommt diese Nachhaltigkeits-Versicherung zum Tragen. Es besteht ein höheres Vertrauen in das Unternehmen.

 

Anleger haben also dank des Nachhaltigkeitsratings das Gefühl, dass ein Unternehmen besser dasteht als die reine Finanzanalyse es zeigen würde?

Ja. Nachhaltigkeit wird als zusätzlicher Risikofaktor hinzugezogen.

 

Sind denn die Kreditkosten nachhaltiger Unternehmen immer günstiger oder nur, wenn es im Unternehmen schlecht läuft?

Ich zeige in meiner Arbeit, dass genau zum Zeitpunkt einer Krise das Nachhaltigkeitsrating eine umso grössere Rolle spielt.

 

Aber dann ist dies ja genau der heikelste Zeitpunkt, die Verschuldung zu erhöhen?

Das stimmt theoretisch, aber in der Praxis lässt sich das häufig nicht vermeiden.

 

Gemäss Ihrer Arbeit akzeptieren Anleger eine tiefere Rendite. Weshalb würden sie das tun?

Die Annahme ist, dass Anleger das Nachhaltigkeitsrating betrachten und damit das Risiko geringer einschätzen. Die ESG-Risiken können sich eben finanziell auswirken. Klassisches Beispiel ist der Skandal bei Volkswagen.

 

Wie meinen Sie das?

Ich meine, das Beispiel mit der Abgasmanipulation zeigt, dass vielleicht zu wenig in Innovation investiert wurde. Das kann man ja messen und so etwas fällt im Nachhaltigkeitsraster auf. Solche Dinge wirken sich auch langfristig negativ auf Finanzkennzahlen aus.

 

Das Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel wird von institutionellen Investoren getrieben - Versicherungen und Pensionskassen, die zum Teil von der Politik in diese Richtung gestossen werden. Könnte der Effekt, den Sie nachweisen, nicht wegen eines temporären Nachfrageüberhangs entstehen?

Das ist eine spannende Theorie. Aber empirisch lässt es sich sehr schwer nachweisen, wo im Einzelnen die Gründe liegen. Was man aber sieht ist, dass in einem Risikomanagement-System Nachhaltigkeitskriterien immer wichtiger werden. Das zeigt sich dann entsprechend in den Kursen. Wenn allerdings diese Risiken nicht bedeutsam wären, könnte man diese Abweichung nicht messen. Wenn man von effizienten Märkten ausgeht, sollten politische Meinungen ohne entsprechende regulatorische Änderungen keinen Einfluss haben.

 

Wie steht es denn um die Verbreitung von Nachhaltigkeitsratings?

Der Fokus wird immer grösser und es wird einfacher, an solche Ratings heranzukommen. Sie werden immer populärer, auch das Finanzportal Yahoo Finance macht mittlerweile solche Ratings zugänglich für Privatinvestoren.

 

Wie kann man Ihre Arbeit in der Forschung weiterverwenden und welche Fragen sollte man noch beantworten?

Künftig wird es wichtiger, nicht das aggregierte Rating anzuschauen, sondern unter den zahlreichen einzelnen Variablen jene herauszufiltern, die entscheidend sind. Das lässt sich in einer Studie allein nicht feststellen. Derzeit publizieren Unternehmen Informationen zu ihren CO2-Emissionen, das könnte zum Beispiel eine relevante Grösse für Investoren sein.

 

Und für Sie persönlich, was bringt Ihnen der Preis?

Im Moment bin ich Doktorand und diese Studie habe ich im Rahmen meiner Doktorarbeit geschrieben. Dafür ist die Auszeichnung wichtig, sie bestärkt mich. Mir gefällt das akademische Arbeiten und ich kann mir gut vorstellen, nach der Dissertation an der Universität zu bleiben.

 

Wie werden Sie das Geld verwenden?

Das Preisgeld hilft mir. Bald fahre ich zu einer Konferenz in Lissabon, da muss ich einen Teil selbst finanzieren. Auch diese Reise nach Liechtenstein habe ich selbst bezahlt.

 

Und wann ist Ihre Dissertation fertig?

Ich hoffe in ein bis zwei Jahren.

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